HomeNewsBiografieMotivationsvorträgeErfolgeAppartments
walk´n´rollSponsorenAudio & VideosRennkalenderPresseLinksKontakt
Kapitelbild

Geierspichler überwindet Grenzen

09.01.2009
Visionen. Thomas Geierspichler imponiert – als Behindertensportler und durch seine Authentizität. Sein neuestes Projekt ist der UFO-Wartelandeplatz in Anif.


 

Michael Unverdorben Salzburg(SN).Thomas Geierspichler hat seine bewegende Lebensgeschichte vor Fans, Freunden und als Referent bei Motivationsseminaren schon zigtausend Mal erzählt. Der folgenschwere Verkehrsunfall als 17-Jähriger, der Bruch des fünften Halswirbels, die Depressionen, der Alkohol- und Drogensumpf sowie der Weg zum Behindertensportler – das alles ist jedoch nur ein Bruchstück seiner Schilderungen. Sehr viel ausführlicher und mit einem Leuchten in den Augen erzählt der Rennrollstuhlfahrer über seine Lebensziele, seine Visionen und seinen Glauben an Gott. Vier Jahre nach dem tragischen Unfall, als ein Bekannter auf dem Heimweg von der Disco hinter dem Steuer kurz eingenickt und das Auto gegen eine Mauer geprallt war, stellte sich Geierspichler erstmals die Frage, die auch heute noch sein Leben prägt: „Warum sollte ich keine Visionen haben, nur weil ich behindert bin?“ Denn wer Visionen hat, kann Grenzen überwinden.

Inspiriert von Hermann Maier, der 1998 bei den Olympischen Spielen in Nagano nur drei Tage nach seinem Aufsehen erregenden Sturz in der Abfahrt die Goldmedaille im Super-G gewann, änderte der querschnittgelähmte, gelernte Bürokaufmann alles in seinem Leben: Schluss mit den Drogen, Schluss mit den täglichen 15 Bieren, Schluss mit dem Selbstmitleid. „Ich habe begonnen, die Bibel zu lesen. Gott hat mir die Kraft gegeben, ein neues Leben zu beginnen“, sagt Geierspichler.

Was danach kam, ist weitgehend bekannt: Knapp zehn Jahre später ist Thomas Geierspichler Olympiasieger, Weltrekordhalter, Weltmeister, Europameister und hat insgesamt sieben Medaillen bei den Paralympics, den Olympischen Spielen für körperbehinderte Menschen, gewonnen. Drei Mal wurde er zum österreichischen Behindertensportler des Jahres gewählt, in Innsbruck erhielt er erst kürzlich den Life-Award. Darüber trägt der 32-Jährige aus Anif das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Geierspichler hat mit seinen Visionen Grenzen überwunden und avancierte vom Sieger über sich selbst zum Sieger bei den Sommerspielen. Noch tiefer gehender ist sein Lebensmotto, ein Zitat aus der Bibel: „Dem Glaubenden ist alles möglich.“

Der Glaube hat ihm neue Aufgaben eröffnet. Geierspichler ist bei Firmen ein gefragter Mann – als Motivationstrainer und als Werbeträger. Gerade hat er in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires einen Werbefilm für ein Kommunikationsunternehmen gedreht. Und auch ein spektakuläres Bauprojekt in Anif steckt mitten in der Planungsphase, der so genannte UFO-Wartelandeplatz.

Anfangs war es nicht mehr als ein Hirngespinst, später ist daraus eine Vision entstanden – mit guten Chancen auf Verwirklichung. „Bei dem UFO-Wartelandeplatz handelt es sich im Prinzip um ein Kommunikationszentrum, wo sich Menschen in einem gemütlichen Umfeld treffen können und ihre Ideen, Träume und Visionen austauschen“, erklärt Geierspichler, der dieses Projekt unmittelbar neben seinem Haus am Reschbergerhof in Anif zum ersten Mal bei einer Pressekonferenz nach den Sommerspielen in Peking der Öffentlichkeit präsentierte. „Danach hat diese Geschichte eine Eigendynamik bekommen. Die Idee hat eingeschlagen wie der Blitz.“

Mittlerweile gibt es viele Interessenten, Förderer, Gönner – und einen ersten Architektenentwurf. Dieser Plan zeigt einen 25 Meter langen, 15 Meter breiten und fünf Meter hohen Glaspavillon, dessen Dach die Form eines Ufos hat. „In der Raummitte ist eine Feuerstelle vorgesehen. Rundherum können die Leute reden, entspannen oder träumen“, sagt Geierspichler, der sich auch vorstellen kann, den UFO-Wartelandeplatz als Seminarzentrum zu nutzen. „Viele finden die Idee großartig und haben ihre Unterstützung angeboten. Das Potenzial des Pavillons ist jedenfalls riesig.“

Und noch eine Vision mit sehr viel Potenzial hat der Salzburger Behindertensportler in die Tat umgesetzt. Gemeinsam mit dem Fotografen Andreas Waldschütz und der Eventmanagerin Veronika Bölz hat Geierspichler einen Verein namens Walk ’n’ Roll gegründet (www.walknroll.at). „In diesem Verein geht es darum, Behindertensportler zu fördern. Wenn Menschen mit Behinderung aufzeigen, dass man Visionen verwirklichen kann, dann wollen wir das unterstützen“, betont der Rennrollstuhlfahrer. Gefördert wird derzeit Markus Schmoll. Der an beiden Beinen amputierte Hobbytriathlet will einen Ironman (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42 km Laufen) bestreiten, Walk ’n’ Roll finanziert seine Trainingslager und Leistungstests. „Aber wir wollen nicht nur Sportlern unter die Arme greifen. Wenn jemand glaubt, er müsse Honigpflücker im Himalaya werden, möchten wir ihn unterstützen. Solange er das authentisch tut, wird er ein Multiplikator für die Gesellschaft sein. Und für den Behinderten selbst kann das eine Spirale nach oben sein“, meint Geierspichler, der auch andere ermutigen will, Grenzen zu überwinden. „Wir wollen Ängste nehmen und Zeichen setzen, um das Zusammenleben zwischen Behinderten und Nichtbehinderten zu verbessern.“

Finanziert wird der Verein übrigens durch Sponsorengelder. Nach wenigen Wochen liegen bereits 7000 Euro im Pott, der vor Weihnachten weiter aufgefüllt wurde. Chevrolet stellte Thomas Geierspichler ein Auto zur Verfügung, das bei Licht ins Dunkel für Walk ’n’ Roll versteigert wurde.


ENGLISCH
  Website sponsered by LimeSoda