HomeNewsBiografieBUCHMotivationErfolgeFacebook
Appartmentswalk´n´rollSponsorenAudio & VideosRennkalenderPresseLinksKontakt
Kapitelbild

„In der Scheinwelt ist alles vergänglich“

31.01.2009
LINZ. Thomas Geierspichler glänzte bei den Paralympischen Spielen im Rennrollstuhl golden. Am Freitag zeigte er seine Glanzseite in der Gala-Nacht des Sports. Im OÖN-Interview sprach er über Ehrenrunden, die „nicht so schlechte“ Gesellschaft und UFOs.


 

OÖN: Seit Ihrem Paralympics-Sieg sind Sie auf den großen Bühnen Stammgast. Wurde Ihnen von den Ehrenrunden schwindlig oder machen sie Spaß?

Geierspichler: Die Gala in Linz macht mir viel Spaß. Aber leider kann ich nicht jeder Einladung nachkommen, sonst bleib’ ich selbst auf der Strecke. Ich muss ehrlich sagen, dass es schon ein bisschen anstrengend wird, weil ich wieder trainiere und dazwischen viel herumfahren muss. Trotzdem: Den Hype will ich noch auskosten, ich finde es super, dass der Rummel so lange anhält.

OÖN: Trifft man Sie auch auf der Tanzfläche?

Geierspichler: Nur zu AC/DC. Wenn das nicht gespielt wird, dann selber schuld (lacht). Sonst tanze ich nur, wenn ich ein paar Bier hab’, um lockerer zu werden. Bei guter Rockmusik reicht auch ein Wasser.

OÖN: Für einen Mobilfunkanbieter sind Sie in der Werbung präsent. Fühlen Sie sich in der Rolle wohl?

Geirspichler: Voll. Es ist ein Geschenk, einen Werbespot zu drehen, der voll auf mein Leben abgestimmt ist und 100 Prozent das vermittelt, was meine Lebenseinstellung ist.

OÖN: Wird man als Goldmedaillen-Gewinner reich und berühmt?

Geierspichler: Reich würd’ ich nicht sagen. Und berühmt? Puh. Als ich neulich mit einem Freund am Bahnhof war, sind Kinder hergestürmt – „ah, der Geierspichler“ – und wollten Autogramme. Einmal kam ein Rapper-Typ her, wo ich glaubte, der will mir Drogen andrehen. Dann sagte er: „Hey, ich finde super, was du aus deinem Leben machst.“ Das ist schön und zeigt, dass die Gesellschaft nicht so schlecht ist, wie man glaubt.

OÖN: Konnten Sie am starren Bild von Sportlern mit Behinderung etwas bewegen?

Geierspichler: Ich spüre, dass die Leute sehen, dass das keine Bewegungstherapie ist, was wir tun. Aber ich will nicht, dass unsere Leistungen als besonders gesehen werden, nur weil wir ein Handikap haben. Aber wenn wir Behindertensportler täglich vier bis sechs Stunden trainieren, dann ist das wirklich Leistungssport. Der eine hat ein Ruder in der Hand, und unser Arbeitsgerät ist halt der Rollstuhl. Die Akzeptanz wird besser, aber sie muss gesund wachsen. Es bringt nichts, wenn die Politik Beschlüsse fassen würde, die nicht aus dem Herzen resultieren.

OÖN: Was sind Ihre nächsten Träume?

Geierspichler: Trainieren und dann abhauen nach Florida, um nicht auszubrennen. Ich mach‘ viele Vorträge und hab den Verein „Walk ’n‘ Roll“ gegründet, wo wir mit bescheidenen Mitteln – in dieser wirtschaftlich blöden Zeit ist es schwer, Sponsoren zu finden – Menschen mit Behinderung helfen wollen. Dann will ich meine Form aufbauen. Für London 2012. Einen anderen Traum erfülle ich mir bald: Ich hab’ Karten für das AC/DC-Konzert. Und ich wünsche mir, dass ich die Erdung nicht verliere. Denn das alles ist eine Scheinwelt, in der ist alles vergänglich.

OÖN: Man fragt sich, warum Sie vor Ihrem Haus einen Landeplatz für UFOs bauen wollen...

Geierspichler: Das soll eine Kommunikations-Plattform werden für Menschen aus dem Sport, der Politik und Kultur. Viele Menschen glauben an Unbekannte Flugobjekte. Ich bin ein visionärer Mensch. Visionen sind wie UFOs: unbekannt. Es gibt Menschen, die auf UFOs warten. Und es gibt viele, die auf Visionen warten. So könnte man gemeinsam daran arbeiten.

OÖN: Glauben Sie an Außerirdische?

Geierspichler: Nein, gar nicht.

OÖN: Und an außerirdische Leistungen?

Geierspichler: Es trainieren viele Sportler hart, bis sie ihre menschliche Grenze erreicht haben. Die mental stärksten können über diese Grenze hinausgehen. Also, ja. Außerirdische Leistungen gibt es.


ENGLISCH
  Website sponsored by LimeSoda