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„Auf Gott kann ich nicht verzichten“ - 11 Fragen an Thomas Geierspichler von www.magzin-mehr.at

09.03.2009
11 Fragen an Thomas Geierspichler.....Magazin für Leben, Glaube, Gesellschaft" Ausgabe März/April 09. www.magazin-mehr.at....... Interview wird auch auch als Radiointerview ausgestrahlt (Infos unter erf.at) (Interview mit Gabriele und Martin Knauss)


Thomas Geierspichler, Ausnahmeathlet
im Rennrollstuhlfahren, vielfacher Weltrekordhalter
und Weltmeister, Paralympics-
Goldmedaillengewinner in Athen 2004
und Peking 2008, Europameister

Österreichs Behindertensportler des Jahres
2008. Wohnt in Anif bei Salzburg.

1. Meine 3 wesentlichsten Eigenschaften
Durchhaltevermögen, Zielstrebigkeit,
Beharrlichkeit.

2. An anderen schätze ich …
Ehrlichkeit, Authentizität - wenn einer
seinen Weg geht und sich nicht von einer
Scheinwelt blenden lässt.

3. Einzelgänger, Familienmensch oder
Society-Löwe?
Society-Löwe bin ich überhaupt
nicht. Natürlich ist es schön, wenn
man Zuspruch bekommt von der Öffentlichkeit.
Aber trotzdem weiß ich, dass das
eine Scheinwelt ist. Es ist halt ein gegenseitiges
Nehmen und Geben. Im Endeffekt ist
es eine Mischung: Ich bin gern allein und
konzentriere mich auf meine Sache, genieße
es aber auch mit meiner Familie.

4. Darauf kann ich nicht verzichten
Verzichten kann ich letztlich auf alles. Wenn
ich an Afrika denke oder daran, wie die
Leute früher nach dem Krieg das Land wieder
aufgebaut haben … Wir leben in einem
solchen Wohlstand, und letztlich kann
man auf alles verzichten. Ich hab das natürlich
auch gelernt nach meinem Unfall …
Ich sehe einfach das was ich habe als Geschenk
von Gott, und das nehme ich natürlich
gerne und genieße es auch. Aber
ich kann jederzeit auf alles verzichten …
-überlegt kurz- auf meinen Rollstuhl kann
ich zur Zeit nicht verzichten, und natürlich
auch auf das Vertrauen auf Gott, auf
das will und kann ich nicht verzichten. Außerdem
möchte ich mich nicht versklaven
lassen, und ich will meine Ideale und in
meiner Bestimmung leben.

5. Mein schönster Moment
Das sind mehrere. Als ich in Sydney die
Bronzemedaille gemacht habe, das war
meine erste Medaille. Dort habe ich auch
meine Vision bekommen, dass ich für mich
einmal die Bundeshymne hören möchte.
Als ich das in Athen das erste Mal gespürt
habe, da ist eine Riesenlast von mir abgefallen.
Und dann – ganz unerwartet und eigentlich
ein Wunder – 2008 in Peking, wo
ich die Goldene geschafft habe, als eigentlich
alles dagegen gesprochen hat. Als ich
die Goldene mit Weltrekord geschafft habe,
da habe ich wirklich das Wunder von Gott
erfahren dürfen. Ich habe einfach das Vertrauen
auf Gott gelegt – ich will da nicht
heilig daherreden – aber es war wirklich so.
Dabei hab ich dann die Kraft erfahren dürfen,
wenn man auf Gott vertraut, was alles
passieren kann.

6. Was mir Mühe macht, und wie ich es
ändern würde
Was mir überhaupt nicht
gefällt – gerade in unserer Gesellschaft – ist
diese Trostlosigkeit, Passivität und das Jammern,
das hasse ich. Und wenn jemand unehrlich
ist. Dann werde ich teilweise richtig
aggressiv, weil ich mir denke, man kann´s
ändern, man muss einfach nach vorne
schauen, seine Ziele haben und versuchen,
sie zu verfolgen.
Uns geht’s im Durchschnitt wirklich relativ
gut, im Vergleich zu früher. Sicher ist
die Situation zur Zeit nicht rosig, andererseits
müssen wir aber erkennen, dass es
uns die Jahre davor überdurchschnittlich
gut gegangen ist im Vergleich zu anderen
Ländern. Ich war in Südafrika und China,
und wenn man die Leute auf dem Land
dort sieht, denen geht’s schlecht, die kein
Dach über dem Kopf und teilweise nichts
zu essen haben. Jeder von uns hat etwas zu
essen, auch wenn es arme Familien gibt, die
jeden Cent umdrehen müssen. Trotzdem
haben wir eine Wohnung und etwas zu essen.
Österreich ist ein Sozialstaat.
Wenn man herumsudert und nur auf die
Umstände schaut, wird sich nichts verändern
Es kann sich nur etwas
verändern, wenn man nach
vorne schaut und Träume und
Ziele hat. Es kann sich nur etwas verändern,
wenn man wieder nach vorne schaut und
Träume und Ziele hat. So wie es auch in
der Bibel steht: Mit Beharrlichkeit nach
vorne und auf Gott schauen, dann wird’s
wieder besser. Wenn man keine Hoffnung
hat, dann kann es ja nicht besser werden.
Machen wir jenen Schritt, der jetzt gerade
notwendig ist.

7. Mein Traum von Glück
Träume habe ich schon, aber eigentlich
lebe ich glücklich, weil ich weiß, dass ich
in meiner Bestimmung lebe. Das gibt mir
tiefste Zufriedenheit. Mir geht es einfach
gut. Deswegen würde ich auch in meinem
Leben nicht unbedingt etwas ändern wollen.
Aber mein Traum ist, dass ich noch
einmal auf den Untersberg -Hausberg der
Stadt Salzburg- hinaufgehe. Ich glaube
auch an Heilung, aber wenn es nicht passiert,
ist das auch kein Problem, ich bin
trotzdem glücklich. Wenn ich heute abtreten
müsste, dann weiß ich, dass ich ein
super erfülltes Leben gehabt habe.

8. Ich bewundere …
Cool, also extrem lässig, finde ich von der
Lebenseinstellung her Forrest Gump -aus
dem gleichnamigen Spielfilm-, wie er an die
Sache herangeht. Er hat nie Starallüren,
und macht coole Aussagen wie „und dann
bekam ich meine nächste Million – schon
wieder … “. Oder „dann war ich beim
Präsidenten – schon wieder … “. Für ihn
war das eben auch nur ein Mensch. Und
er hat nur im Moment gelebt. Er hat
alles zu 100% gemacht. Und an William
Wallace von -dem Spielfilm- Braveheart
hat mir gefallen, dass der bis zum Tod
seinen Idealen treu geblieben ist, für seine
Freiheit. Dass er einfach für seine Ideale
lebt und für die sogar in den Tod geht.
Ich würde mich nie bewusst versklaven
lassen. Dann würde etwas in meinem
Leben falsch laufen. Mir wäre es egal,
wenn ich zehn Jahre weniger zu leben
hätte, dafür aber in meiner Bestimmung
leben würde – ich würde es so machen!
Ich würde mich nicht verleugnen und in
einer Scheinwelt leben.

9. Ich glaube daran …
… dass jeder Mensch eine Aufgabe oder
einen bestimmten Platz im Leben hat.
Ich lese in der Bibel – das hilft mir in
meiner Situation, wenn ich nicht weiß,
wie es weitergeht oder wie ich eine Situation
angehen soll. Und ich glaube, dass
Gott jedem Menschen Herzenswünsche
schickt. Durch sie schenkt er Träume und
Visionen, und das sind dann die Aufgaben,
die man im Leben zu erfüllen hat.
Im Leben geht es genau darum, in seiner
Bestimmung zu leben, dann wird man
glücklich. Und das wiederum macht anderen
Menschen Mut, auch an sich selbst zu
glauben. Das, glaube ich, ist der Schlüssel
zum Erfolg! Dahin kommt man, wenn
man sich so annimmt, wie man ist und
auf dem Fundament der Wahrhaftigkeit
steht. Dadurch wird man authentisch.

10. Jesus Christus …
… hat den Tod besiegt und ist wieder auferstanden,
und durch diese Tat ist er Sieger
über den Tod und über alles Negative.
Durch den Glauben an Jesus Christus, an
seinen Tod am Kreuz und an seine Auferstehung,
kann man alles erreichen und alles
überwinden.

11. Was die Nachwelt über mich sagen soll
Auf meinem Grabstein kann draufstehn:
Ich habe jeden Tag so gelebt, wie ich das
wollte. Ich bereue keinen Tag in meinem
Leben. Ich hätte nichts anders gemacht. Ich
möchte, dass mich die Menschen als Zeugnis
sich in Erinnerung behalten, dass man
wirklich sein Leben in seiner Bestimmung
leben kann. Genau darum geht es! Und ich
möchte anderen Menschen auch Mut machen:
Schaut nach vorne!
Ich hasse nichts mehr als Passivität, weil das
für mich schon so ist wie sterben. Und Aktivität
ist: „Ins Leben treten“. „Aktiv sein“ heißt,
immer einen Schritt weiter zu gehen. Dadurch
entsteht Leben. Man muss nach vorne
schauen, weil das Leben so schnell vergeht.
Wenn ich mit 80 oder 90 Jahren auf dem
Sterbebett liege und auf mein Leben zurückschaue,
dann möchte ich sagen können: „Ja,
genauso! Ich hätte nichts anders gemacht.“

www.geierspichler.com
Erstausstrahlung: Di., 24. März / 15.30 Uhr auf ERF-Radio (Infos unter erf.at)
Bestell-Nr.: CD 3011B, ab 25. 03. 09


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